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Welcome to percaso production.
„Soziale Musik“ ist ein Solowerk. Es besteht aus 147 äusserst kurzen Loops. Das Instrument Saxophon wird nicht auskultiert und mit innovativem Eifer zerlegt, sondern vielmehr auf seinen Sprachcharakter hin abgetastet. Kein Katalog der Möglichkeiten also, sondern eher eine Sammlung von Klangsituationen, die sich lose aufeinander beziehen lassen. Das „Nichts“ – also die Abstände zwischen den Loops – hat den gleichen Stellenwert wie die Musik. Man kann das Werk als „Audio Poverty“ bezeichnen. Das Projekt „Soziale Musik“ will die Hörer beteiligen. Um sich der „sozialen“ Musik zu bedienen, braucht es keine musikalischen Kenntnisse. Der Verzicht auf „erlernte“ Rollen (Produzent / Konsument) öffnet den Raum für ein freies Umgehen mit Musik. Die CD ist frei duplizierbar. Jeder kann sie im Zufallsmodus, nach Belieben zeitverschoben, stop and go, auf mehreren Geräten in einem Raum, im ganzen Haus oder im öffentlichen Raum abspielen. Der Hörer kann/darf sich am Entstehungs-Prozess der Musik beteiligen. Die 7“ Schallplatten können auch von DJs oder Klangkünstlern benutzt werden und einzelne Musikteile für andere, neue Musikprojekte gesamplet oder verfremdet werden. Neben 45 rpm ist auch die LP-Drehgeschwindigkeit (33 ? rpm) möglich. Die bis ins letzte Detail durchgestalteten Tonträger kann man sich aber auch „passiv“ anhören und dazu seine eigenen Geschichten erfinden. Durch das Hinzuziehen von Gästen wird die Idee und das Bedürfnis, andere teilnehmen zu lassen, auch auf die Ebene des Produzenten verlagert. Abgerundet wird die Produktion mit der Website www.soziale-musik.ch , welche noch eine weitere Ebene öffnet. „Soziale Musik“ (social music) is a solo oevre and consists of 147 very short loops. The saxophone is not osculated or dissected with innovative zeal, but rather scanned for its linguistic character. Not a catalog of possibilities, but rather a collection of sound situations that can be linked to one another in a loose fashion. The silence, the spaces between the loops, is just as important as the music. We could have called this oevre "audio poverty". Soziale Musik wants to encourage the participation of the listener, and for sure, in order to use Soziale Musik, one doesn't have to know a lot of music. The absence of the traditional roles of producer and consumer opens the door for a free dealing with the music. The listener has the possibility to make copies of the CD. He can listen to the CDs in the random or stop and go mode, time shifted, using several CD players, or in one or many rooms - in and outdoors. The 7" vinyls can be played at 45 rpm and at 33 ? rpm. The singles can be used by DJs or sound artists. The loops can be sampled and used for new sounds or other musical projects. These meticulously designed sound carriers are of course also intended for the passive listener, who would be welcome to discover his own world. And as the listener has been invited to participate so have musical guests been invited to participate on the side of the production. The website www.soziale-musik.ch complements this production which will continue to develope and evolve over time. CHRISTOPH GALLIO / SOZIALE MUSIK; (CD by Vexer Verlag)
Entering the stage, bowing, playing a sound, wiping the sweat from one’s brow, receiving applause, shaking hands and having a beer. Music is social practice, an act of community that can by no means be reduced to sound. Putting down the instrument does not mean ceasing to be a musician. Picking up the instrument, one remains a social being who interacts with others. Even the most solitary meditation stands in a communicative context, the most intimate message communicates something. “Asocial music” is thus inconceivable, even if there are naturally artists who reject the communicative consensus, by slapping or cursing their listeners, for example. But what would be a music that is “social” in the emphatic sense of the word? For his Soziale Musik (Social Music), Christoph Gallio cooperated with various Berlin musicians. Naturally, this is also about drinking a coffee with Olaf Rupp, or having a piece of cake with Sven-Åke Johansson. The sounds then become a framework within which social activity can leave a mark. The sound is impulse and event at the same time. For this reason, too, social music cannot be an expansive epos, because music would then get in its own way and block its social opening. The open, sparse form in an expression of its social character. Gallio’s miniatures could be called ornaments or incunabula, sentences, or components. They are signatures, tests, and abbreviations. Gallio combines the parenthetical quality of a bagatelle with the concentration of a musical aphorism. The essential and the incidental become one, the Aristotelian distinction between substance and accident becomes obsolete. The repetitive inner structure of the individual pieces prevents narrative links without violating the linguistic character of the music. Rhetorical figures can be read out of the individual measure: between melancholy and loneliness, intimacy and agitation, pain or simply boredom. The instrument is not osculated or dissected with innovative zeal, but rather scanned for its linguistic character. Not a catalog of possibilities, but rather a collection of sound situations that can be linked to one another in a loose fashion. Here, the metaphor of the web is central, not just to prevent narrative linearity, but as presented form, which Gallio only alludes to and does not perform in its entirety. The 94 sound situations can be combined into network-like constructions. From the condensed superimposition to the thinning individuation of the measure, anything is possible. The networking of the sound moments is left to the listener. They appear, depending on access, as a mosaic or as a mobile. The listener closes or opens the work. Social music is urban music. It has to do both with alienation and isolation, as well as recapturing social community in the urban context. Gallio’s duets with Berlin artists and musicians allude to simple, binary links. They are labile relationships and fleeting acquaintances that take on resonant form. The episodic aspect of the musical moment corresponds to the erratic horizon of experience that is urban everyday life. The telephone rings. We meet an acquaintance on the street. An airplane flies overhead. Life is musical practice, an aesthetic act that can never be reduced to purpose or necessity. Björn Gottstein ... die Bühne betreten. Sich verbeugen. Einen Ton spielen. Sich den Schweiß von der Stirn wischen und den Beifall entgegen nehmen. Hände schütteln und ein Bier trinken. Musik ist soziale Praxis. Ein Akt der Gemeinschaft, der sich keinesfalls auf den Klang reduzieren lässt. Wer sein Instrument beiseite legt, hört nicht auf Musiker zu sein. Wer es zur Hand nimmt, bleibt ein soziales Wesen, das mit anderen interagiert. Noch der einsamste Ton steht in einem kommunikativen Zusammenhang. Noch die intimste Meditation teilt sich mit. "Asoziale Musik" wäre mithin gar nicht denkbar, auch wenn es natürlich Künstler gibt, die eben jenes kommunikative Einverständnis aufkündigen, indem sie beispielsweise ihre Hörer ohrfeigen und beschimpfen. Was aber wäre eine Musik, die im emphatischen Sinne des Wortes "sozial" ist? Christoph Gallio hat für seine Soziale Musik mit verschiedenen Berliner Musikern kooperiert. Es geht dabei selbstverständlich auch darum, mit Olaf Rupp einen Kaffee zu trinken, bei Sven-Åke Johansson ein Stück Kuchen zu verzehren. Die Töne werden dann zu einem Rahmen, innerhalb dessen sich soziale Tätigkeit niederschlagen kann: Der Klang ist gleichzeitig Impuls und Ergebnis. Auch deshalb kann die soziale Musik kein ausladendes Epos sein, weil sich die Musik dann selbst im Wege stünde und ihre gesellschaftliche Öffnung verhinderte. Die offene, punktuelle Form ist Ausdruck ihres sozialen Charakters. Man könnte Gallios Miniaturen Ornamente nennen oder aber Inkunabeln, Sentenzen oder Versatzstücke. Es sind Signaturen, Proben und Kürzel. Gallio verbindet die Beiläufigkeit einer Bagatelle und mit dem Konzentrat eines musikalischen Aphorismus. Das Haupt- und das Nebensächliche werden eins, die aristetolische Unterscheidung von Substanz und Akzidenz obsolet. Die repetitive Binnenstruktur der einzelnen Nummern verhindert narrative Zusammenhänge, ohne dass Gallio den Sprachcharakter der Musik verletzt. Es lassen sich durchaus rhetorische Figuren aus den einzelnen Takes herauslesen: zwischen der Melancholie und der Einsamkeit, der Intimität und der Agitation, dem Schmerz oder gar einfach der Langeweile. Das Instrument wird nicht auskultiert und mit innovativem Eifer zerlegt, sondern vielmehr auf seinen Sprachcharakter hin abgetastet. Kein Katalog der Möglichkeiten also, sondern eher eine Sammlung von Klangsituationen, die sich lose aufeinander beziehen lassen. Die Metapher des Netzes ist dabei zentral, nicht nur um erzählerische Linearität zu verhindern, sondern als vorgestellte Form, die Gallio allerdings nur andeutet und nicht vollständig ausführt. Die 94 Klangsituationen lassen sich beliebig zu netzartigen Konstrukten kombinieren. Von der verdichtenden Überlagerung bis hin zur ausdünnenden Vereinzelung der Takes ist alles denkbar. Die Vernetzung der Klangmomente ist dem Hörer überlassen. Sie erscheinen, je nach Zugriff, als Mosaik oder als Mobile. Der Hörer schließt oder öffnet das Werk. Soziale Musik ist urbane Musik. Sie hat sowohl etwas mit Entfremdung und Vereinsamung, als auch mit der Zurückeroberung der sozialen Gemeinschaft im städtischen Umfeld zu tun. Gallios Duette mit Berliner Künstlern und Musikern deuten einfache, binäre Verknüpfungen an. Es sind labile Beziehungen und flüchtige Bekanntschaften, die tönend Gestalt annehmen. Das Episodische des musikalischen Augenblicks entspricht dem sprunghaften Erlebnishorizont des städtischen Alltags. Das Telefon klingelt. Man trifft einen Bekannten auf der Straße. Ein Flugzeug fliegt vorüber. Das Leben ist musikalische Praxis. Ein ästhetischer Akt, der sich keinesfalls auf Zweck und Notwendigkeit reduzieren lässt ... Björn Gottstein Sage und schreibe 147(!) – in Worten: einhundertsiebenundvierzig – Tracks finden auf dem jüngsten Streich von Christoph Gallio Platz. Gallio, Initiator und Eigentümer der percaso records (siehe die Kleine Labelkunde in freiStil #32) hat hier auf zwei Vinyl-Singles und einer CD fast unzählige Kürzel, Skizzen und Miniaturen aufgenommen, die er in kurzen Loops zusammenfasst und solo oder mit ausgewählten Gästen interpretiert. Den sozialen Charakter von Christoph Gallio vermittelt er im freiStil-Interview unmissverständlich. Übersetzt auf die eigene Musik unter dem Titel „Soziale Musik“, findet dieser Charakter wenig überraschend, also konsequent seine Fortsetzung. Völlig selbstverständlich geht es dem Verursacher dieser Stückeflut keineswegs um Idyllen, Romantik oder Naturalismus. Ganz im Gegenteil: Unser Mann aus der Schweiz tendiert zum Dadaismus und vor allem zum Fluxus. Also besteht Gallio darauf, dass es komplett egal sei, mit welcher Geschwindigkeit die „Soziale Musik“ auf Platte abgespielt werde, ob mit 45 oder 33 1/3 Umdrehungen. Das Resultat wird dem Publikum überlassen. Beliebigkeit im besten Sinn durchzieht diese Musizierpraxis, weil sie die Theorie radikaler Demokratie mitdenkt. freiStil, (felix) Schwingung, Klang und Kunst Christoph Gallios «Soziale Musik» «Soziale Musik» nennt Christoph Gallio seinen jüngsten musikalischen Streich. Der Titel liest sich wie ein ästhetisches Programm. Aber auch wie ein Rätsel: Was hat man sich denn unter sozialer Musik vorzustellen, bzw. was wäre asoziale Musik? Wer diese Frage zu beantworten sucht, betreibt theoretisch musikalische Grundlagenforschung. Und vielleicht ist es ja gerade auch das, was Gallio mit seiner eigenartigen Musik anregen möchte. Wundertüten-Karton Das vielfältige, wortwörtlich vielfältige Album des Badener Saxofonisten birgt in einem Wundertüten-Karton zwei Vinyl-Singles, eine CD sowie Liner-Notes des deutschen Musikwissenschafters Björn Gottstein, der die soziale Praxis des Musizierens hervorhebt (und dabei etwa an Konzerte erinnert, wo ein Ensemble von Musikern auf Zuhörer trifft). Gallio überrascht nun allerdings durch kühle Sound-Kürzel oder Fragmente, die sich über die CD und die Vinylscheiben verteilen; meistens dauern sie nicht länger als zwanzig, dreissig Sekunden. Man denkt zunächst eher an musikalische Atome, an klangliche Monaden als an sozialen Magnetismus. Bald vernimmt man ein stetiges Drei-Ton-Motiv – fertig. Bald wird ein Ton überblasen – fertig. Bald surrt eine Gitarre. Bald hört man die Atmung und wie der Atem durchs Saxofon zieht. Zumeist werden die Kürzel von Klängen des Sopran- oder Altsaxofons dominiert. Gallio hat indessen mit diversen Musikern zusammengearbeitet: einerseits mit der Vokalistin Kazumi sowie mit den Instrumentalisten Olaf Rupp (Gitarre), Jan Roder (Bass), Oliver Steidle (Perkussion) Sven-Åke Johansson (Schlagzeug), die in einzelnen Stücken jeweils Geräusche oder Töne eines traditionellen Instrumentalklangs hinterlassen. Andrerseits sorgen Andrea Neumann, Hans Benda und Helmut Erler für die elektronische Bearbeitung und Verfremdung der akustischen Klangmuster. Oft fühlt man sich dem Sound-Geschehen dieser musikalischen Lappalien akustisch so nahe, als befände man sich selbst inmitten musikalisch arbeitender Organe und Muskeln. Andere Nummern wiederum muten eher mechanisch an – etwa durch sirenenartige Motive oder durch regelmässige Schwingungen der Luft. Als Hörer schwankt man zwischen den Rollen des Forschers und des Geniessers. Diese mikroskopische Musik gibt Aufschluss darüber, wie sich Schwingungen in Sound verwandeln und sich zu Klangmolekülen bündeln, die schliesslich musikalisch signifikant sind – so dass man für einen Augenblick an eine Spieldose gemahnt wird; woanders wiederum an Free Jazz. So erweisen sich die Fragmente aber plötzlich als Elementarteilchen eines musikalischen Codes, der kommunikative, mithin soziale Bindungen ermöglicht. Ästhetische Kontemplation Wie fast jede Minimal-Ästhetik bietet die «Soziale Musik» dabei auch die Möglichkeit zur ästhetischen Kontemplation, zur Konzentration auf Wesentliches, auf das Wesen von Musik. Allerdings ist es vom Wesentlichen zum Banalen oft nicht viel weiter als einen Gedankensprung – denkt man sich, während man die Tonträger wieder versorgt in den schönen Kartonhüllen, die alle die Bilder von Gitter- bzw. Netzmustern tragen . . . Aha! Auch das gibt wohl Aufschluss über soziale Musik – gute Cover-Art wie hier ist eben Teil der Album-Ästhetik (und fehlt einem deshalb beim Download). Das Netz symbolisiert die Verknüpfung musikalischer Grundstrukturen: Jeder Hörer wird die Klangkürzel an seine bisherige Erfahrung binden. Konkreter könnte man sich auch einen gewieften DJ vorstellen, der die Kürzel in seinen persönlichen Mix einflicht. – Die Chance zum vernetzenden Spiel sozialer Musik bietet sich übrigens auch auf einer Website, die Gallio eingerichtet hat: auf dem anregenden Portal www.soziale-musik.ch. Neue Zürcher Zeitung, Ueli Bernays
OLAF RUPP & CHRISTOPH GALLIO «FASANE HULA PUNK» (CD by Rapid Moment)
It is not my way of doing things, but this time I would like a start complimenting myself. For many years I listen a lot to records of free improvised music. Many of them are okay, many of them are mediocre. In spite of this listening experience, I often feel not sure anymore whether I still have the capacity to detect improvised music that really makes a difference. But luckily I can, concluding from listening to this very convincing and amazing work by Rupp and Gallio.
The CD has a very cryptic title: 'Fasane Hula Punk'. I can't link it to something that makes some sense. The thirteen improvisations are not of any help. Instead of equal mysterious names, they carry numbers only, from 1 up to 13. The improvisations have to stand on their own feet and that is exactly what these improvisations do. Both gentlemen had a very fruitful encounter. The name of swiss sax player Christoph Gallio occurred earlier in Vital Weekly with some of his releases for the Percaso label. Olaf Rupp is a new player for me. He really impressed me with the depth and richness of his style and sound. He is an autodidact from Germany who developed his very own style of playing the electric guitar. He has several solo albums out on Grob and participated on many others albums. In the past he worked with Lol Coxhill, Michael Wertmüller, John Zorn, Paul Lovens, Thomas Lehn, Butch Morris, Tony Buck, among others. The recordings for this new CD were done in Berlin on two days early in 2009. There was a deep mutual understanding and respect in action here. Every piece illustrates that it was a very intense meeting between two improvisors who built beautiful conversations. The playing is crystal clear, very pure, uncomplicated and straight. Everything, every detail is on its place and functional. Although it is abstract, it is very emotional and moving music at the same time. An absolutely marvelous release from Rapid Moment.
Nonkonformisten Selbstverständlich gibt's auch in der Schweiz eigenwillige Musiker, die den Jazz gegen den Strich bürsten. Ein Spitzenplatz unter den helvetischen Nonkonformisten gebührt dem Saxophonisten Christoph Gallio, für den die zeitgenössische bildende Kunst eine zentrale Inspirationsquelle darstellt.
Obwohl Christoph Gallio selbst ein Label (percaso) betreibt und Olaf Rupp ein Naheverhältnis zu FMP aufweist, ist die Kombination der beiden auf dem Label des malaysischen Musikers Goh Lee Kwang erschienen. Wobei der surrealistische, gegen Sinnzusammenhänge resistente Titel auf Gallios Dada-Vorlieben rückschließen lässt; man denke nur an seine letzte Einspielung unter den Namen Mösiöblö! Gallio beschränkt sich hier aufs Sopransax; Rupp, der zuletzt mit einer sensationell guten Solo- und einer Sosolala-Platte mit Wertmüller & Pliakas in Erscheinung trat, traktiert die E-Gitarre nach Bedarf. Mir persönlich behagen die langsameren, aktionsärmeren Stücke (die knapp mit Improvisation 1-13 betitelt sind) mehr als die angefüllt-vollgedüdelten. 3, 7, 11 und 13, um konkrete, klingende Beispiele zu nennen! Sie lassen mehr von dieser Luft, die mir für interaktive Möglichkeiten zur Reflexion und Assoziation unabdingbar vorkommt. Zumindest im besten Fall verhält sich das so. Im schlechtesten handelt es sich um eine reine Geschmackssache, und mit der gleichen Begründung, die gar keine ist, könnte genau gegenteilig geschlussfolgert werden. In diesem wie in jenem Fall gelingt dem Duo Gallio & Rupp – ganz ohne Netze, Tricks und doppelte Böden – eine astreine Duo-Impro-Platte mit allen Vorzügen, die eine astreine Duo-Impro-Platte zu bieten hat. Und das sind bekanntlich nicht wenige. (felix), freistil
Im grossen Kontrast zum fast schon dadaistischen Titel und zur schrillen Gestaltung der CD beginnen Gallio und Rupp das erste Stück ganz zahm. Doch lange lässt die Eruption nicht auf sich warten, und die restlichen zwölf namenlosen Improvisationen zeigen (und fordern) ein gerütteltes Mass an persönlichem Einsatz. Ohne viel Umschweife fällt die Gitarre in ungestüme Gewirbel, mal wird wild angeschlagen, mal sanft gezupft, oft grob verzerrt. Nur kurz bleiben dazwischen die Verschnaufpausen, bevor das scheinbar planlose Irren in Richtung Ziel weitergeht. Das Saxophon aufgescheucht von solch aufgeregtem Tun, ist kaum noch zu halten, umflattert das Gegenüber mit wilden Kapriolen und bringt noch mehr erfrischendes Durcheinander auf die Bühne. Sehr spannend sind die Geschwindigkeit und die Finesse, mit welchen die beiden Solisten fast reflexartig aufeinender reagieren. Das Aktuelle ist immer bereits erledigt, klingt aus und macht dem nächsten Ausbruch Platz. JAZZ ’N’ MOORE, Christof Thurnherr CHRISTOPH GALLIO / OLAF RUPP – Fasane Hula Punk Fasane Hula Punk (don't ask) combines a saxophonist (Gallio, on soprano throughout) with a guitarist (Rupp), players of whom I've been deepening my knowledge quite sparingly, but also regularly – with a declared preference for the former's output, to be honest. Nonetheless, this meeting is really one of a kind - and a complete success - for a series of reasons. The first is the totally unadulterated quality of the music produced in the thirteen (unnamed) tracks. No hint to pre-constructed itemization, or to any sort of genre characterization; yet the lucidity with which these dissertations occur is beyond belief, the artists’ timbral unambiguousness and clearness of intents manifest in every single minute of the CD. Secondarily, there's the extreme democracy shown by both participants, who let their instruments do the talking without sounding despotic, always respecting the reciprocal needs of space while limiting conceptual annihilation intelligently, a bright zaniness defining the more squawking utterances. In a word, a strong sense of integration exists between the spontaneously emitted parts, be them notes or noise; this is something from which the listener benefits enormously. Lastly, the absolute clarity of the instantaneous statements, mainly expressed through sparkling string timbres (Rupp is unquestionably capable of muddying up the whole in a second, though) and show-stopping articulations of reed phraseologies, revealing Gallio's utmost command of an untainted instrumental virtuosity. The cover – among the most absurd artworks seen in a long time – is the ideal container of an entirely satisfying, ear-restorative release. TOUCHING EXTREME, Massimo Ricci
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